
Jesuitenkarte von 1740: Man erkennt die damalige Besiedlung von Rommersdorf und Bondorf und auch die damals schon vorhandene Bebauung entlang der heutigen Rommersdorfer Straße
Eine romantisch-schwärmerische Betrachtung der Stadt Honnef überliefert uns der Bonner Universitätslehrer Carl Simrock im Jahr 1865: "seine sieben Honschaften, seine Landhäuser und Villen liegen zerstreut in dem geräumigen Tal, als hätte jeder seine Hütte gebaut, wo es ihm am liebsten ist". Der Autor hat damit ein genaues Bild der Stadt Honnef gezeichnet. Genauso sah diese unmittelbar nach der Stadtgründung 1862 aus, die gewachsenen dörflichen Siedlungen wurden durch den Villenbau ergänzt. Ab 1871 kam die Architektur der Gründerzeit hinzu, die bis heute das Stadtbild prägt.
Rommersdorf und Bondorf gehören zu den ältesten Siedlungen, zu den von Simrock erwähnten Honschaften. Ihr Ursprung reicht in die frühe Frankenzeit, die Merowingerzeit, zurück. Der Heimatforscher August Haag leitet den Namen Rommersdorf von einem Eigennamen her. Der freie Franke Hrotmar soll der Gründer und Namensgeber der Siedlung gewesen sein, die 1332 zum ersten Mal als Rumerstorp erwähnt wird. Bondorf dagegen ist eine Ansiedlung auf der Höhe, denn "Bon" verweist auf eine topografische Höhenlage. Die Bezeichnung Honschaft leitet sich von "Hundertschaft" her - im Mittelalter war dies die unterste Verwaltungseinheit in ländlichen Gebieten.
Über die Jahrhunderte erlebten die Siedlungen eine wechselvolle Geschichte. Nicht nur eine Reihe von Herrschaften und Regierungen mit eigenen politischen Interessen bestimmte das Leben und den Alltag ihrer Bewohner. Auch die "große Politik" hinterließ ihre Spuren. Meistens waren es Brandspuren, Spuren des Krieges und der Verwüstung. Im 12. Jahrh. waren die Siedlungen Teil des Kirchspiels Honnef und damit Saynschen Herrschaft Löwenburg. Vom ausgehenden 15. Jahrhundert bis zu den Napoleonischen Kriegen gehörten der Bereich als Amt Löwenburg zum Herzogtum Jülich-Berg. Das Amt Löwenburg umfasste die Kirchspiele Nieder- und Oberkassel, Rheidt, Sieglar, Rantzel, Nieder- und Oberdollendorf, Honnef und Aegidienberg - nicht aber Königswinter und Ittenbach mit Drachenfels und Wolkenburg, die zum Erzbistum Köln gehörten.
Die charakteristische Bauweise ist der Fachwerkbau. Der Gerüstbau mit dunklem Holz und weißen Gefachen, dazu hoch aufragende Giebel, ist typisch für die fränkische Bauweise. Die Bewohner der Honschaften waren Bauern und Winzer. Die Weinbauern kultivierten die Weinberge als Pächter auswärtiger Grundbesitzer und mussten diesen den Pachtzins, den "Zehnten", abgeben. Wer diese Grundeigentümer waren, darüber geben uns Kataster Auskunft. Sie dokumentieren die Anzahl der Höfe, die Lage der Weingüter und die Größe der Rebanbauflächen. Auffallend ist hierbei die starke Parzellierung der Flächen. Dies hatte zur Folge, dass ein Eigentümer in der Regel mehrere über das Gebiet verteilte Grundstücke besaß. Die Grundbesitzer waren zunächst auswärtige Klöster und Stifte. Hinzu kamen Pfarrgeistliche, die aus den Steuereinnahmen des Weinbaus ihren Lebensunterhalt bestreiten mussten. Auch weltliche Eigentümer, Adlige und Bürger, besaßen Rebflächen. Unter den kirchlichen Grundbesitzern war das Kölner Jesuitenkolleg über lange Zeit der größte Weinlandbesitzer. Sehr schön zu sehen ist dies auf einer Lagekarte aus dem Jahr 1740. In Rommersdorf gehörte zu diesem Jesuitenbesitz der Zehnthof, an den heute nur noch ein Torbogen erinnert. In Bondorf besaßen die Jesuiten mit dem Sandhof ein bedeutendes Areal, dessen Größe uns die Lagekarte der Güter vor Augen führt.
Vor alle
m in Rommersdorf gibt noch heute eine ganze Reihe von Fachwerkhäusern. Darunter sind Winzerhöfe, die an den Weinanbau in der Region erinnern. Sie prägen das Bild der Möschbachstraße, der Spießgasse und der Kratzgasse. Über ihre genaue Entstehungszeit gibt es keine gesicherten Quellen. Wahrscheinlich gehören sie zu den ältesten erhaltenen Fachwerkhäusern, die beim großen Brand im Jahr 1689 nicht in Flammen aufgingen. In diesem Jahr fielen im Zuge des Pfälzischen Erbfolgekrieges französische Truppen in die Region ein und setzten die Siedlungen in Brand. Dass gerade die Fachwerkhäuser ein besonders leichter Raub der Flammen wurden, kann man sich sehr gut vorstellen. Diese Zeit des Schreckens und der Heimsuchung überliefert uns in seinen Schriften in eindrucksvoller Weise der damalige Pfarrer an St. Johann Baptist, Franz Xaver Trips. Vom alten Bondorf - etwa im oberen Bereich der heutigen Bismarckstraße - sind heute nur noch Reste erhalten. Auffällig sind die Reste eines Winzerhofes - von dem typischen Gebäudekomplex der Hofanlage mit Wohnhaus, Scheune, Stall und kleinere Nebengebäuden sind an der oberen Bismarckstraße zwei Wohnhäuser stehengeblieben.
Während der Herrschaft Napoleons veränderten sich 1806 im Zuge der Säkularisation die Besitzverhältnisse grundlegend. Die Güter der geistlichen Institutionen wurden aufgehoben und später preisgünstig an auswärtige Interessenten versteigert. 1815 kam das Rheinland zu Preußen. Honnef, von Alexander von Humboldt als "Nizza am Rhein" gepriesen, wurde als Wohnsitz nicht nur für preußische Beamte attraktiv. Menschen mit Vermögen zogen in die Stadt, um in ihren herrschaftlichen Villen das Landleben zu genießen.
Im 19. Jahrhundert sowie im frühen 20. Jahrhundert wurden in Rommersdorf eine Reihe neuer Gebäude errichtet. Der größte Gebäudekomplex ist die Villa Schaafhausen . Auf dem Terrain ehemaliger Weingüter entstand bis zur Mitte des 19. Jahrhundert die burgartige Anlage mit Haupthaus, Remise und Turm. Unter den Besitzern waren auch zwei Engländer, die dem Anwesen ihre Stempel aufdrückten. So legte William Dawson einen Landschaftspark im englischen Stil an. Lewis Agassiz ließ einen Teil des Haupthauses in den Stilformen des Historismus errichten, die die englische Tudorgotik zum Vorbild haben. Der Fabrikant Hubert Schaaffhausen, der das Anwesen 1846 erwarb, gab der Villa Schaafhausen ihren Namen.
Ein weiteres Gebäude im neugotischen Stil ist die Annakapelle. Die Baronesse Carola Odilia von Bongart war die Auftraggeberin dieses Kleinods des Kirchenbaus, zu dem der Kölner Architekt August C. Lange die Entwürfe lieferte. Die Annakapelle, im Volksmund auch Annadom genannt, wurde im Jahre 1869 eingesegnet und damit ihrer geistlichen Bestimmung übergeben.

In der unmittelbaren Nachbarschaft der Annakapelle erhebt sich hinter einer rustikalen Natursteinmauer ein imposantes Gebäude, das Feuerschlösschen. Der Essener Verleger und Kommerzienrat Wilhelm Girardet beauftragte den Berliner Regierungsbaumeister Wilhelm Freiherr von Tettau mit dem Bau der Villa und der weiteren Gebäude des Ensembles. In den Jahren 1904 bis 1905 wurden die Bauten ausgeführt.
Einen kleineren Villenbau in der Nachbarschaft des Feuerschlößchens finden wir am Frankenweg. Diese Villa im englischen Landhausstil errichtete der Architekt Ottomar Stein im Jahr 1912. Besonders reizvoll erscheint hier die Fassadengestaltung des Obergeschosses. Das Fachwerk, das hier dekorativ zitiert wird, nimmt ganz bewußt Bezug auf die ursprüngliche Bebauung der Honschaften Rommersdorf und Bondorf. Damit spannt sich der Bogen von den ursprünglichen Winzerhöfen im Fachwerkstil bis hin zum Villenbau des frühen 20. Jahrhunderts.
Martina Walter

